Führerschein und MPU Geschichte

Wie ich meinen Führerschein verlor – und meinen Glauben an Gerechtigkeit
Im Januar 2023 fuhr ich nachts allein mit einem E-Scooter durch Nürnberg. Ja, ich hatte 1,39 Promille. Kein Unfall. Keine Gefährdung. Kein aggressives Verhalten. Ich wurde kontrolliert, blieb ruhig, akzeptierte die Strafe und den Führerscheinentzug.
Ich wollte nicht diskutieren, nicht jammern, keine Schuld abwälzen. Ich wollte das Richtige tun. Ich beantragte die Wiedererteilung, lebte ein Jahr komplett alkoholfrei, ließ regelmäßig Blut und Haare analysieren. Alles sauber, alles nach Vorschrift.
Doch das System entschied anders.
Ordnungsamt Nürnberg: Schablone statt Menschlichkeit
Ein halbes Jahr später kam Post vom Ordnungsamt Nürnberg. Der Inhalt trocken, gefühllos, mechanisch:
„Aufgrund der Umstände wird gemäß §13 FeV eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet.“
Warum? Weil ich mich „zu ruhig“ verhalten habe. Ich war zu kontrolliert, zu höflich. Das war verdächtig.
Mit anderen Worten: Wäre ich ausgerastet, hätte ich weniger Probleme gehabt.
Das ist keine Logik. Das ist ein Hohn. Eine verdrehte, zynische Absurdität.
MPU: Eine gefühllose Maschinerie
Ich entschied mich für ein anerkanntes MPU-Institut – PIMA-MPU – in der Hoffnung auf ein faires Verfahren. Ich war ein Jahr lang abstinent. Meine EtG-Werte aus den Haarproben: 0. Leberwerte im Normbereich. Alles belegt. Ich hoffte, man würde das anerkennen.
Aber ich lag falsch.
Niemand hört wirklich zu. Niemand stellt individuelle Fragen. Man prüft nicht – man bewertet nach Vorlage. Du bist keine Person, du bist ein Fall, ein Code, ein Kästchen auf einer Liste.
Die Gespräche waren oberflächlich, formelhaft. Jede Antwort, die nicht exakt zur erwarteten „Linie“ passt, wird negativ ausgelegt. Nicht, weil sie gefährlich ist, sondern weil sie nicht ins Raster passt.
Das Gutachten: Formalismus statt Wahrheit
Am Ende wurde ich als „ungeeignet“ eingestuft. Hier ein paar Auszüge aus dem Gutachten:
„Leicht erhöhte Leberwerte (GGT, GPT) könnten auf Alkoholkonsum hindeuten.“
„Die Angaben zur Trinkhäufigkeit sind widersprüchlich.“
„Es mangelt an ausreichender Selbstreflexion und Motivation zur dauerhaften Veränderung.“
Saubere Analysen? Ein Jahr Abstinenz? Einsicht? Spielt keine Rolle. Wenn du nicht exakt das sagst, was sie hören wollen, bist du durchgefallen. Sie suchen nicht nach Wahrheit – sie suchen nach Abweichung.
Der Arzt, der mir wehtat – wortwörtlich
Am Tag der Untersuchung wurde mir Blut abgenommen. Der Arzt – wenn man ihn so nennen darf – wirkte, als hätte man ihn von der Straße geholt.
Seine Hände zitterten, der Blick leer, der Stich grob und schmerzhaft. Es fühlte sich an, als hätte er zum ersten Mal eine Nadel in der Hand – oder wäre selbst betrunken.
Am nächsten Tag: ein Bluterguss.
Zwei Tage später: ein dunkelvioletter, schwarzer Fleck von über 10 cm Durchmesser.
So etwas habe ich noch nie erlebt – und das will was heißen, denn ich lasse regelmäßig Blut abnehmen. Ich habe keine Schilddrüse mehr und bin auf ständige Kontrollen angewiesen. Kein Arzt hat mir je so etwas angetan.
Ich reichte eine Beschwerde ein. Die Antwort der Institutsleitung:
„Solche Reaktionen können vorkommen und sind medizinisch nicht ungewöhnlich.“
Echt jetzt?
Wenn Sie glauben, das sei „normal“, dann haben Sie entweder keine Ahnung oder es ist Ihnen einfach egal.
Beides ist gefährlich.
Man steht allein gegen die Wand
Ich wollte mich wehren. Ich schrieb eine Petition an den Bundestag. Antwort: „nicht zuständig“.
Ich wandte mich an den Bayerischen Landtag – dort hieß es, alles sei „ordnungsgemäß gelaufen“.
Klar – sie verteidigen ihre eigenen Strukturen.
Ich wandte mich an meine Rechtsschutzversicherung, um die Kosten für ein Verfahren gegen die Stadt zu decken. 5.000 €.
Auch hier: Ablehnung. Begründung: keine Erfolgsaussicht.
Du zahlst – und wirst zertreten
Ich arbeite, zahle Steuern, halte mich an Regeln.
So wie Millionen andere Menschen auch.
Und wir alle finanzieren dieses System – mit unserem Geld, mit unserer Lebenszeit, mit unserem Vertrauen.
Und was bekommen wir zurück?
Kälte. Desinteresse. Bürokratische Gewalt.
Sie kümmern sich nicht um unsere Geschichten
Für die Ämter, Behörden, Gutachter ist jeder Fall gleich. Es interessiert niemanden, wie sehr du dich bemühst, was du auf dich nimmst, wie viel du beweist.
Sie folgen ihrer Checkliste.
Sie urteilen im Vorbeigehen.
Sie machen weiter – weil sie es dürfen.
Weil ihnen nichts passiert, wenn sie falsch liegen.
Denn sie sind geschützt – vom Gesetz, vom System, von ihrer Blase.
Ich spreche. Laut.
Ich erzähle das hier nicht, um Mitleid zu bekommen.
Ich erzähle es, weil ich nicht mehr schweigen will.
Denn wenn wir nicht reden, wenn wir nicht aufzeigen, wenn wir nicht bezeugen, was in diesen dunklen Räumen geschieht – dann gewinnen sie.
Wenn du das liest und dabei etwas fühlst:
Du bist nicht allein.
Wenn du selbst gegen eine Wand aus Gleichgültigkeit gelaufen bist:
Du bist nicht verrückt.
Wenn du dachtest, du wärst machtlos:
Du bist nicht machtlos, solange du sprichst.
Wir sind mehr, als sie glauben.
Und unsere Stimmen zählen – auch wenn sie das Gegenteil behaupten.
Beste Grüße,


